5 Wege zu mehr Erfolg mit einer spielerischen Haltung
Benötigen wir spielerische Haltung? Jens Corssen gibt Antwort. | © artpoolweb.com

5 Wege zu mehr Erfolg mit einer spielerischen Haltung

Im Rahmen der Artikelserie „Der Philosophische Spaziergang“, für die ich regelmäßig Interviews mit Top Coaches und Philosophen führe, habe ich mich dieses Mal besonders intensiv mit dem Thema „spielerische Haltung“ auseinandergesetzt. Ich bin davon überzeugt, dass sie gerade in diesen digitalisierten Zeiten elementar wichtig für Erfolg und ein gelingendes Leben ist. Warum?

Kinder kommen mit einer unbändigen „Entdeckerlust“ und „Gestaltungsfreude“ auf die Welt. Diese wird in unserem Schulsystem leider nicht gefördert, natürlich auch, weil man nicht so auf die Einzigartigkeit der Kinder eingehen kann. Genau diese Entdeckerlust und Gestaltungsfreude brauchen wir aber heute mehr denn je, um im Wirtschaftsleben, im Privaten und in der Politik innovative Lösungen für hochkomplexe Probleme zu finden.

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Die digitalen Start-ups wie z.B. Uber oder airbnb aus dem Silicon Valley sind mit ihren „disruptiven“, fast schon verspielten, am Anfang belächelten Geschäftsmodellen erfolgreich. Sie bauen mit ihren Plattformen die neuen Monopole auf und machen uns vor, wie man heute erfolgreich ist.

Die „schöpferische Zerstörung“, die schon der Ökonom Joseph Schumpeter vor 100 Jahren gefordert hat, ist für die neuen Start-ups eine wichtige Grundbedingung. Die Frage ist, wie wir es schaffen, aus dem herkömmlichem Denken und Handeln auszusteigen und wirklich innovativ zu sein. Wir gleiten zu schnell in ein „mehr desselben“ ab, weil es uns im Gewohnten Sicherheit gibt.

Schiller sagte schon:

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch wo er spielt.“

Ist eine spielerischere Haltung die Lösung für mehr Innovation und mehr Lebensfreude und Erfolg?

Ich habe dieses Thema mit dem philosophischen Berater, Top Coach und Verhaltenstherapeuten Jens Corssen besprochen.

MS: Lieber Jens, meine These ist, dass wir gerade in diesen hochkomplexen, digitalisierten Zeiten eine „spielerische Haltung“ benötigen. Was hindert Menschen Deiner Erfahrung nach, sie zu leben und innovativ zu sein?

JC: Wenn man durch das zwanghafte Verfolgen eines Planes seine angeborene spielerische Entdeckerlust verliert, wird man irgendwann das Interesse an diesem routinierten Tun verlieren.

Wer allgemein ängstlich und verstimmt ist, weil es in seinem Leben nicht so läuft, wie er sich das vorgestellt hat, ist angespannt und mutlos. Deshalb braucht er besonders viel Sicherheit und hält an seinen vertrauten Gewohnheiten fest. Wer aber Neues braucht, muss etwas wagen, etwas ausprobieren und neue Erfahrung sammeln.

MS: Könnte uns eine spielerische Haltung das Tor zu mehr Innovation, Lebensfreude und Erfolg öffnen?

JC: In spielerischer Haltung, also in einer entspannten, neugierigen und positiv gestimmten Geisteshaltung, finden wir leichter kreative Lösungen. Wer das Motto von Laotse – „Verfolge Dein Ziel, als ob Du es nicht hättest“ – beherzigt, dem gelingt es, anstatt immer nur gebannt auf das Ziel zu blicken, sich auf den gegenwärtigen Prozess zu konzentrieren. So kommt man in den berühmten Flow, indem man seine Kreativität und Potenziale voll nutzen kann.

Jens Corssen bietet einen sehr guten Einblick in seine Philosophie des „Selbstentwicklers“ – auf seinen Vorträgen, Seminaren, CDs und Büchern.

 

MS: Du sprichst oft darüber, dass wir vom Überlebens- in den Erlebensmodus kommen sollten. Inwieweit hilft uns hier eine spielerische Haltung?

JC: Ich meine, dass die Freude am Leben, zu der man sich trotz Widrigkeiten und Leid ganz bewusst entscheiden kann, die Voraussetzung für mehr Leichtigkeit und Beschwingtheit ist.

Wer sich im so genannten Überlebensmodus bewegt, sich also ängstlich, angespannt und kämpferisch permanent im Wettbewerb befindet, wird an alten und eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern festhalten. Zusätzlich zur phantasievollen Schöpferwelt des spielenden Kindes gehört natürlich auch Disziplin und Ausdauer, um erfolgreich zu sein.

MS: Welchen Erfolg meinst Du eigentlich? Wie definierst Du Erfolg?

JC: Man muss aufpassen, dass man Erfolg nicht nur mit beruflicher Zielerreichung gleichsetzt. Man ist ja auch erfolgreich, wenn man gesund bleibt, in erfüllenden Beziehungen lebt und Freude am Leben hat. Aus dieser Sicht kann auch ein Mensch, der im Leistungssystem nicht so reüssiert, trotzdem sehr erfolgreich sein.

MS: Die wenigsten werden ja im Stress auf eine spielerische Haltung einfach so umschalten können. Wie kann man sich nun für diese schwierigen Situationen rüsten bzw. gibt es Trainingsmethoden?

JC: Das ist richtig. Es geht wohl nicht über eine reine eintrainierte Verhaltensänderung, sondern eher um eine neue Haltung dem Leben gegenüber. Das heißt, dass man bereit ist, die wechselnden Gegebenheiten des Lebens nicht als Zumutung, sondern als eine Trainingseinheit anzusehen, mit der man auch kreativ-spielerisch umgehen kann.

Die lebenskluge Erkenntnis „Unverhofft kommt oft“ ermöglicht einem eine gewisse Leichtigkeit. Kurzum: Ich bin für das Leben und bin nicht anklagend dagegen, weil man dann neue Situationen nicht als Zumutung empfindet.

MS: Hast Du eine ganz konkrete Übung, um diese Haltung zu erlernen und seine Ziele spielerischer zu erreichen?

JC: Ja, hierfür empfehle ich zum Beispiel die Übung 1: „Die Visionstechnik“.

Jeden Abend beim Einschlafen stellt man sich leicht lächelnd vor, dass man schon an seinem Ziel angekommen ist. Was genau sieht, fühlt, hört man dort?

Man färbt sozusagen sein Unterbewusstsein mit dieser schönen Vorstellung. So gewinnt man auf Dauer Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Man nimmt also das angestrebte Ziel vorweg und freut sich dankbar darüber, dass man es geschafft hat. Man stellt sich jedoch nicht vor, wie man genau dort hinkommt. Die Zielvorstellung ist klar, der Weg wird sich ergeben, wenn man sich so mit Selbstvertrauen gefärbt. Man kann sich also vertrauensvoll von seiner schöpferischen Intuition leiten lassen.

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MS: Die meisten Menschen haben ja ihre Gewohnheiten, benötigen aber dringend neue Lösungswege für ihre Probleme. Wie schafft man es, aus dem gewohnten Muster auszusteigen?

JC: Diesbezüglich habe ich besonders gute Erfahrungen mit Übung 2: „Vom Planungs- und -Sicherheitsdenken ins Gegenwartserleben“ – um zu erfahren, dass man sich nicht gefährdet, wenn man etwas Neues erlebt, also nicht genau nach Plan handelt.

Man nimmt sich z.B. zwei Tage frei und trainiert Freiheit und Spontanität. Und auf geht’s! Man fährt mit dem Auto, Motorrad oder Fahrrad einfach los. Man lässt sich sozusagen treiben – ist da z.B. ein großer Stau, ändert man seine Richtung, schaut, wo es besonders schön aussieht, also rein in die Nebenstraße…

Wo werde ich übernachten? Weiß ich nicht, irgendwo werde ich schon schlafen können… Wer sich also auf dieser Reise nicht an einen Plan hält, sondern seiner spontanen Eingebung folgt, wird spielend viel Neues erleben und kennenlernen. Er bereichert sich.

Glück ist auch eine Prämie dafür, dass man die eingefahrenen Gleise (neuronales Gitterbettchen) verlassen hat. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte Hesse bereits in seinem Gedicht Stufen. So kommt man vom Überlebens- in den Erlebensmodus.

MS: Ja, und es heißt weiter:

„Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen“.

JC: Ja, deshalb empfehle ich auch folgende 3. Übung: „Ketten durchbrechen“.

Gewohntes ist mechanisch und hat nichts Freies und Spielerisches. Jeden Tag kleine Übungen machen, um alte Gleise zu verlassen. Spielerisch werden und mal etwas Neues ausprobieren. Z.B. einen anderen Weg zur Firma fahren. Jeden Tag eine Kleinigkeit anders machen als sonst. Sich mal auf einen anderen Platz im Stammlokal setzen. Die Erkenntnis ist: Es passiert nichts schlimmes, wenn man den Gewohnheitsmodus verlässt.

Viele Menschen neigen dazu, eher auf das zu schauen, was ihnen fehlt, oder auf das, was nicht funktioniert. Wer aus dem Reich des Mangels kommt, ist verstimmt und zieht auch andere durch seine Kritik oder sein Klagen stimmungsmässig herunter. Für Wagnis und Innovation ist es jedoch hilfreich, dass man den Situationen des Lebens aus der Fülle begegnet!

MS: Klingt einleuchtend, aber wie macht man das denn?

JC: Mit der 4.Übung: „Mit dem Dankbarkeitsritual in die Fülle kommen“.

An sich ganz einfach – man fokussiert sich dankbar auf das, was man schon alles hat und kann. Das macht man ritualisiert sofort nach dem Aufwachen. Wenn einem partout nichts einfällt, dann kann man doch wenigstens dankbar dafür sein, dass man das Leben noch mit allen Sinnen erleben kann!

Also: Einfach nur dankbar fürs Leben sein, dass man noch lebt.

Wer aus dem Mangel kommt, ist schon so verstimmt, dass er nicht mehr Neues wagt. Wer aus der Fülle kommt, dem steht das Leben bei.

MS: Welchen Top Tip hast du, um in der Firma innovative Lösungen zu finden?

JC: Die 5. Übung: „Spielerisch neue Lösungen finden“.

Nach wie vor halte ich die Brainstorming-Technik für ideal. Beim Brainstorming kommt es darauf an, dem Gehirnstrom freien Lauf zu lassen. Wenn eine Gruppe nach neuen Lösungen sucht, schreibt man jeden Vorschlag, sei er auch scheinbar noch so daneben, auf die Flipchart und ermutigt: „ Ja, gut so! Weiter…“.

“Brauchen wir alle eine stärkere spielerische Haltung? – Jens Corssen gibt Antwort.“

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Wenn so die Angst vor Kritik am eigenen Vorschlag verschwindet, kommen immer mehr verrückte innovative Beiträge. Und siehe da, plötzlich wird durch diese spielerische angstfreie Suche die ultimative Lösung gefunden.

Weitere Informationen zur spielerischen Haltung

Die gesamte Erkenntnis zu diesem Thema vermittle ich ausführlich in meinem Vortrag „Spielerische Haltung – eine Erfolgsstrategie für ein gelingendes Leben“.

Die spielerische Haltung ist zudem die dritte Säule meines Vortrags „Das 5 Säulen Modell: Wie überlebt man das hyperbeschleunigte 21. Jahrhundert?“.